Du siehst einen neuen Trick, hast ihn vielleicht schon hundertmal bei anderen Ridern gesehen und weißt theoretisch sogar, wie er funktioniert. Aber sobald du selbst auf der Rampe stehst, fühlt es sich plötzlich komplett anders an.
Vielleicht fehlt dir noch die richtige Bewegung, vielleicht hast du Respekt davor oder dein Kopf sagt dir immer wieder, dass du den Trick sowieso nicht landen wirst.
Genau deshalb geht es beim Lernen neuer Tricks nicht nur um Technik. Dein Kopf spielt dabei mindestens genauso mit.
Über die Jahre habe ich mir ein paar Dinge angewöhnt, die mir dabei helfen, neue Tricks schneller zu lernen und mich vor allem bei schwierigeren Tricks zu überwinden.
Geh mit dem Gedanken rein: Ich schaffe das
Für mich beginnt ein neuer Trick nicht erst beim Absprung.
Wenn ich einen Trick lernen möchte, gehe ich mit der festen Überzeugung rein: "Okay, ich schaffe den Trick jetzt."
Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder neue Trick direkt beim ersten Versuch funktioniert. Aber ich möchte nicht schon vor dem ersten Versuch davon ausgehen, dass ich ihn nicht schaffen werde.
Wenn du beim Anfahren bereits denkst „Das wird sowieso nichts“, machst du es dir selbst unnötig schwer.
Deshalb versuche ich, meinem eigenen Körper und dem zu vertrauen, was ich bisher gelernt habe. Gerade bei einem neuen Trick ist es wichtig, nicht nur darüber nachzudenken, was alles schiefgehen könnte.
Stattdessen stelle ich mir vor, wie ich den Trick lande.
Augen zu und den Trick vorstellen
Wenn es bei einem neuen Trick wirklich ernst wird, mache ich meistens kurz die Augen zu.
Ich stelle mir den kompletten Trick vor: den Absprung, die Bewegung und vor allem die Landung.
Dabei versuche ich, mir möglichst genau vorzustellen, wie ich wieder auf dem Scooter stehe und meine beiden Füße zusammen auf dem Deck landen.
Danach atme ich einmal bewusst ein und wieder aus. Ich öffne die Augen, mein Fokus geht direkt auf die Rampe – und dann fahre ich los.
In diesem Moment habe ich die Bewegung gerade noch einmal im Kopf durchgespielt. Ich versuche also nicht erst während des Tricks herauszufinden, was ich machen muss, sondern meinen Körper genau das machen zu lassen, was ich mir gerade vorgestellt habe.
Gerade bei neuen Tricks kann das helfen, eine Bewegung im Kopf schon einmal „durchzufahren“, bevor man sie tatsächlich macht.
Mach den neuen Trick im Kopf nicht größer, als er ist
Ein neuer Trick kann sich schnell riesig anfühlen.
Vor allem dann, wenn du ihn bei anderen Ridern siehst und denkst: „Wie soll ich das bitte machen?“
Dabei ist der Trick für dich vielleicht gar nicht so weit entfernt, wie er gerade wirkt.
Ich versuche deshalb, einen neuen Trick für mich selbst nicht unnötig groß zu machen. Nicht: „Ich mache jetzt einen komplett krassen Trick, den ich noch nie geschafft habe“, sondern eher:
„Ich mache jetzt eine Trick Kombination, wo ich jeden einzelnen Schritt schon kann“
Auch wenn der Trick am Anfang noch weit davon entfernt ist, perfekt zu funktionieren, hilft es, ihn nicht im Kopf zu einem riesigen Hindernis zu machen.
Du musst nicht direkt perfekt landen. Der erste kleine Fortschritt kann schon zeigen, dass du die Bewegung grundsätzlich verstächst.
Mein größter mentaler Test: der erste Backflip
Bei fast keinem Trick hatte ich so viel Respekt wie bei meinem ersten Backflip.
Ich hatte den Backflip vorher schon einmal im Foam Pit gemacht. Danach lag aber ungefähr ein halbes Jahr dazwischen, bis ich ihn das erste Mal auf Holz ziehen wollte.
Technisch wusste ich also eigentlich, was ich machen musste. Trotzdem war es mental etwas komplett anderes.
Ich hatte Respekt davor und musste mich wirklich überwinden, den Trick einfach durchzuziehen.
Genau da habe ich wieder versucht, mich auf das zu konzentrieren, was ich bereits kannte. Ich habe die Augen geschlossen, mir vorgestellt, wie ich den Backflip mache, und versucht, mich an das Gefühl aus dem Foam Pit zu erinnern.
Dann bin ich losgefahren und habe ihn gezogen.
Als ich den ersten Backflip auf Holz gemacht hatte, war dieser große Respekt plötzlich weg. Danach habe ich ihn innerhalb von vier Versuchen gestanden.
Manchmal ist genau dieser erste Versuch die größte Hürde. Nicht unbedingt, weil du den Trick technisch noch nicht kannst, sondern weil dein Kopf noch nicht davon überzeugt ist, dass du ihn wirklich machen kannst.
Wenn der Trick einfach nicht funktionieren will
Natürlich hilft das richtige Mindset nicht dabei, jeden neuen Trick sofort zu landen.
Manchmal versuchst du einen Trick immer wieder und kommst einfach nicht weiter. Dann bringt es meistens nicht viel, nur noch mehr Versuche zu machen.
Wenn ich einen Trick immer wieder nicht schaffe, schaue ich mir meine Versuche zuerst auf Video an.
Oft fehlt am Ende eines von drei Dingen:
Geschwindigkeit. Höhe. Kraft.
Entweder fahre ich nicht schnell genug an, springe nicht hoch genug oder habe nicht genug Kraft beziehungsweise Geschwindigkeit in der Bewegung.
Dann versuche ich gezielt einen dieser Punkte zu verbessern, anstatt einfach nur weiterzumachen.
Manchmal sieht man einen Fehler selbst gar nicht, während er auf einem Video sofort auffällt.
Ein Fail bedeutet nicht, dass du den Trick nicht kannst
Gerade bei neuen Tricks ist es wichtig, sich von einzelnen Fails nicht zu sehr beeinflussen zu lassen.
Wenn ein Versuch nicht funktioniert, heißt das nicht automatisch, dass der Trick zu schwer für dich ist.
Vielleicht war der Absprung nicht hoch genug. Vielleicht hat die Geschwindigkeit gefehlt. Vielleicht war das Timing noch nicht richtig.
Jeder Versuch kann dir zeigen, was du beim nächsten Mal verändern kannst.
Und wenn du nach mehreren Versuchen immer wieder denselben Fehler machst, solltest du nicht einfach versuchen, diesen Fehler noch öfter zu wiederholen. Schau dir an, warum es nicht funktioniert.
Manchmal ist Pause genau das, was dir fehlt
Ich kenne es selbst, dass ein Trick nach einer Pause plötzlich funktioniert, obwohl ich vorher ewig daran gesessen habe.
Wenn du einen neuen Trick zum hundertsten Mal versuchst und er wieder nicht klappt, entsteht schnell ein bestimmter Rhythmus im Kopf:
„Der nächste wird sowieso wieder nichts.“
Dazu kommt, dass du müde wirst, Energie verlierst und irgendwann auch die Motivation fehlt.
Nach einer Pause sieht die Sache plötzlich anders aus.
Du hast neue Energie, bist wieder motiviert und gehst nicht mehr mit dem Gedanken an den Trick, dass er sowieso nicht funktioniert.
In dieser Pause kann man sich zum Beispiel andere Rider anschauen, einen guten Edit ansehen oder einfach etwas komplett anderes machen.
Manchmal reicht schon ein kleiner Reset.
Auch Regeneration gehört deshalb zum Tricklernen dazu. Man kann nicht jeden Tag acht Stunden Vollgas fahren und erwarten, dass der Körper jeden Tag gleich funktioniert.
Es gibt Tage, an denen man sich fit fühlt, hoch springt und einen neuen Trick direkt catcht. Und es gibt Tage, an denen man die Bewegung nicht einmal richtig herumgedreht bekommt.
Das ist normal.
Ein bisschen Dehnen vor der Session, genügend Erholung und darauf zu achten, wie fit man sich gerade fühlt, können einen großen Unterschied machen.
Wenn andere Leute zuschauen
Ein neuer Trick kann sich noch einmal ganz anders anfühlen, wenn plötzlich mehrere Leute zuschauen.
Ein Versuch, den du alleine vielleicht einfach gemacht hättest, wird auf einmal zu einer Situation, in der du denkst: „Jetzt muss ich ihn aber landen.“
Aber auch diesen Druck kann man umwandeln.
Statt zu denken: „Alle schauen zu, jetzt darf ich nicht failen“, kannst du dir auch sagen:
„Die Leute schauen zu, weil ich gerade etwas Cooles mache.“
Vielleicht feuern sie dich an. Vielleicht klatschen sie nach der Landung. Vielleicht wollen sie einfach sehen, was du kannst.
Und wenn du den neuen Trick unbedingt vor den anderen landen möchtest, kann auch genau das Motivation sein.
Druck muss also nicht automatisch etwas Negatives sein. Wenn du lernst, ihn positiv zu nutzen, kann er dich sogar pushen.
Der Kopf fährt immer mit
Beim Lernen eines neuen Tricks geht es natürlich nicht nur um Mindset.
Du brauchst die richtige Technik, Kraft, Timing und vor allem Übung. Aber dein Kopf ist bei jedem dieser Punkte dabei.
Wenn du an dich glaubst, einen Trick visualisierst, ruhig wirst und dich auf die Bewegung konzentrierst, gibst du deinem Körper die Chance, das abzurufen, was du gelernt hast.
Manchmal braucht es deshalb vielleicht gar nicht noch hundert weitere Versuche.
Vielleicht musst du kurz stehen bleiben, die Augen schließen, dir vorstellen, wie du den Trick landest, einmal tief durchatmen und dir selbst sagen:
„Ich schaffe das jetzt.“
Dann Augen auf, Fokus auf die Rampe – und los!
